Myanmar – im Land der Märchen

Stellen Sie sich folgende Situation vor: strömender Regen. Ein Mönch gleitet in seiner roten Robe über den vor Regen glänzenden Marmorboden. Im Hintergrund die goldene Shwedagon-Pagode. Absolute Stille. Nur das Plätschern des Wassers und das leise Murmeln von Gebeten. Und wir? Mittendrin. Barfuß auf dem Boden sitzend und staunend über all das Gold, den Reichtum der Pagode und die Ausgeglichenheit und innere Ruhe der Birmanen. 

Hört sich an, wie die Beschreibung eines Bildes? Fast. Sie erzählt von unserem ersten Abend in Yangon (Rangun) und ist somit eine von vielen „schönsten“ Erinnerungen an meine Reise mit GEBECO durch Myanmar/Birma. 

Im Juni darf ich als eine von 20 glücklichen Teilnehmern für eine Woche das Land meiner Träume erkunden. Eine emotionale Woche, denn schließlich handelt es sich um die Jubiläumsreise von GEBECO, der im Zuge dessen mit uns eine Tour entlang vieler sozialer Projekte geplant hat. Viele sagen „Wir fördern und investieren“ – aber kommt das Geld auch wirklich an? Wird es tatsächlich zugunsten der Bewohner eines Landes eingesetzt? All das erleben wir in den kommenden acht Tagen hautnah, schauen immer wieder in zahlreiche strahlende Gesichter und werden überall mit absoluter Dankbarkeit empfangen. Erst im Jahr 2014 fiel die Militärdiktatur und somit hatten wir mit einem gewissen Misstrauen gerechnet. Aber das Gegenteil war der Fall. 

Unsere Reiseroute führt uns im Fluge von Yangon nach Mandalay, über Monywa nach Bagan. Per Flug zum Inle-See, um nach sieben unvergesslichen Tagen wieder in Yangon/Rangun zu enden. Immer mit dabei das klassische Symbol einer Myanmar Reise: die Flip-Flops an den Füßen!

In Mandalay besuchen wir das Atelier des Street Art und Graffiti Künstlers Linn Pin Zaw, erfahren alles über seinen Alltag in einem Land, das noch immer zerrissen ist zwischen seinen vielen Religionen und dem Staat. In dem es nicht selbstverständlich ist, offen und ehrlich seine Meinung zu sagen. Es beeindruckt uns alle sehr, wie mutig er mit seinen Spraydosen seine offene Weltanschauung an den Tag legt. Anschließend laufen wir durch das Zentrum der Handwerkskunst und tauchen ein, in das ganz alltägliche Leben der Menschen. Weit und breit keine Touristen, nur wir mitten im Gehupe der Roller und knarrender Pferdefuhrwerke, die sich durch den Verkehr drängeln.

Bei strahlendem Sonnenschein kommen wir in der Nähe von Amarapura zur U-Bein-Brücke, die sich über den Taungthaman-See spannt und genießen die Stille und den weiten Blick. Die älteste Holzbrücke der Welt! Was für ein erhabenes Gefühl auf ihr spazieren zu gehen. Immer wieder überholt von jungen Mönchen, die kichernd an uns vorbeilaufen. Am Horizont: goldene Pagoden soweit das Auge reicht, sattgrüne Felder, gleißender Sonnenschein. Der Tag geht in der „unsterblichen Stadt“ Amarapura am Fuße der Kyauktawgyi Pagode zu Ende. Die Sonne taucht die schneeweiße Pagode in ein gleißendes Licht, dass uns allen die Sprache verschlägt.

Von dort aus reisen wir per Propeller-Flugzeug weiter nach Monywa am Chindwin-Fluss. Die saftig grüne Landschaft und der strahlendblaue Himmel, lassen die goldenen Pagoden und die Blütenpracht nur so strotzen. Und auch hier kommen wir direkt mit einer Schulklasse ins Gespräch, die stolz ihre Englischkenntnisse an uns testen. Nebenbei der Blick auf Flusskreuzfahrtschiffe und die berühmte „Route to Mandalay“. Wir sind wieder einmal so gut wie die einzigen Touristen und können, durch unsere überschaubare Gruppe, alle Eindrücke in Ruhe in uns aufsaugen.  

Am kommenden Vormittag besuchen wir eine durch Gebeco Spendengelder finanzierte Grundschule in der Nähe von Bagan. Seit dem Jahr 2014 wurden neue, sanitäre Einrichtungen und Schulgebäude finanziert. Wir sehen schon weitem die Kinder, die uns im Spalier begrüßen und uns direkt mit in ihren Unterricht nehmen. Auf viel Gekicher folgen plötzlich schallendes Gelächter und die ersten deutschen Begriffe, die durch den Klassenraum strömen. Wir sollen doch kurz den Unterricht übernehmen, denn an Aufmerksamkeit ist bei dem spannenden Besuch eh nicht mehr zu denken. Also spielen wir birmanische Kinderspiele, rennen um die Wette und dürfen bei der Mittagsausgabe mithelfen. „Reisen verbindet“, bringt Menschen zueinander. Genau das, wird uns an diesem Vormittag wieder einmal bewusst. Auch das Nonnenkloster, dem wir im Laufe unserer Reise einen Besuch abstatten, bewegt uns sehr und verdeutlicht, dass jeder Euro wichtig ist. Ein beeindruckendes Projekt, das Kindern aus bedürftigen Familien eine Chance auf Bildung gibt.   

Und plötzlich sitze ich auf einem E-Roller und düse gemeinsam mit meiner Gruppe durch die Pagodenlandschaft von Bagan. Wir kriegen den Mund kaum zu und fliegen ungläubig entlang  jahrtausendalter Tempelanlagen. Auch hier müssen innerhalb der Anlagen die Schuhe ausgezogen, Knie und Schultern mit einem Tuch bedeckt werden, um die zahlreichen Pagoden betreten zu dürfen. Unser Guide versorgt uns nebenbei mit vielen Infos und lässt die Geschichte der alten Birmanen lebendig werden. Eine Geschichte, die sich wie ein Märchen anhört und uns zurückversetzt in die Zeit der Königsfamilie. 

Der vorletzte Tag bringt uns per Inlandsflug nach Heho. Beinah in Schallgeschwindigkeit düsen wir mit motorisierten Holzbooten über den Inle-See. Bewundern die riesigen Stelzenhausanlagen und dürfen fingerwertigen Künstlerinnen beim Erstellen von Lotusseide zuschauen. Der Tag endet bei einer Familie im Dorf der Intha. Denn was ist das berühmteste Bild des Inle-See? Genau – die Einbeinfischer. Zeit, selbst aktiv zu werden und die Kunst des Einbeinruderns zu erlernen. Dies alles natürlich stilecht in den typischen Wickelhosen von Myanmar. Wir kommen aus dem Lachen nicht mehr heraus und mit der Familie direkt ins Gespräch. Wie? Mit Händen und Füßen, strahlenden Augen.  

Und dann das Highlight (schon wieder), der letzte Tag. Wir dürfen in einem kleinen Dorf am Inle-See eine durch Gebeco-Spendengelder finanzierte Schule eröffnen. Wir sehen die buntesten Festtagsroben, werden von strahlenden Kinderaugen empfangen und sehen, wie man mithilfe kleiner Dinge, so unglaublich Großes bewegen kann. 

Fazit einer faszinierenden Woche? Myanmar ist der Inbegriff des Lächelns und der Gastfreundschaft. Meine Woche mit Gebeco kann locker ein 200-seitiges Buch füllen, so viele Dinge durften wir erleben. Und auch Sie haben diese Möglichkeit! Und das sogar in zwei Wochen oder mehr. Verwirklichen Sie Ihre Reiseträume, denn Erinnerungen kann einem niemand nehmen. Ich freue mich auf Ihren Besuch und unsere gemeinsame Vorfreude auf Ihre Reise nach Myanmar.

Ihre Julia Neumann