Meine Tage in der Arktis

Mit einem unerwarteten Anruf beginnt für mich die Vorfreude auf eine aufregende Reise: die Reederei Silversea lud mich im Sommer auf die Silversea Cloud in die Arktis ein. Die „Cloud“ ist eines von zwei Expeditionsschiffen von Silversea Cruises. Mit der Eisklasse 1C ist das Schiff bereits sehr gut für die Eisregion geeignet und bringt uns ziemlich dicht zu 90° Nord, dem Nordpol.

Aber jetzt von vorne:

Meine 12-tägige Kreuzfahrt beginnt mit der Anreise über Oslo und einem Vollcharter Flug von Silversea Cruises nach Longyearbyen, der Hauptstadt von Spitzbergen. Von dort aus geht unsere Reise entlang Spitzbergens Küste bis 82° Nord (800 km bis zum Nordpol) und endet im norwegischen Trondheim.

Die Tour startet mit einer Rundfahrt und Führung durch die Stadt, bei der wir erste Eindrücke vom Leben auf Spitzbergen erhalten. So erfahren wir in einem Museum alles über die Trapper und deren Leben im Einklang mit der Natur und den Eisbären.

Stilecht werden wir anschließend an Bord mit Champagner begrüßt. Der Check-In an Bord funktioniert perfekt und unglaublich schnell. Schließlich sind ja auch nur gut 200 Passagiere an Bord! Eine sehr angenehme Größe, wenn man bedenkt, dass genau so viel Personal für den Service an Bord zur Verfügung steht! Ein Verhältnis 1:1, was auf dem Kreuzfahrtmarkt wirklich etwas Besonderes ist. Unsere Kabinen dürfen wir jeweils alleine belegen – ein sehr großes Privileg bei so einer außergewöhnlichen Reise!

Außensuite mit Balkon auf der Cloud.

Wir starten bei etwas grauem Wetter Richtung Norden. Die Route ist grob vorgegeben, da die Wetter- und Eisverhältnisse sich ständig ändern können. Somit heißt es für Expeditionskreuzfahrten ins Eis: der Kapitän bestimmt den Weg! Und er macht das perfekt!

Schnell kennen wir uns an Bord aus, finden alle Wege ohne uns zu verlaufen und genießen die kostenlosen Getränke und das super gute Essen. Es folgen jetzt unglaublich viele Highlights aufeinander.

Bei unserem ersten Abendessen kommt direkt die erste Durchsage: „Wale steuerbord!“. Große Aufregung an Bord, alle sind schnell am Oberdeck und staunen. Es begleiten uns Blauwale, so schön, wie man es sich nicht besser wünschen kann! Blauwale, die größten Säugetiere der Welt, schwimmen mit uns, versprühen den typischen „Blas“ und zeigen ihre Fluke beim Abtauchen (s. Video oben). Dafür haben wir gerne unser Abendessen unterbrochen!

Auf unserer Fahrt in den Norden Spitzbergens können wir regelmäßig mit Zodiacs an Land gehen. Nachdem die Scouts den Landeplatz gecheckt und gesichert haben, kommen wir in kleinen Gruppen (pro Boot ca. 8 Personen) nach. Begleitet werden wir bei den Anlandungen und an Bord von erfahrenen Lektoren, bei denen jeder seine Spezialkenntnisse hat. So kann sich jeder Gast aussuchen, was ihn interessiert: ob Themen wie Pflanzen, Tiere, Wetter oder das Leben im Eis. Ich finde es erstaunlich, wie viele unterschiedlich blühende kleine Pflanzen an diesem Platz der Erde wachsen.

Ein weiteres Highlight ist die Sichtung einer Herde Walrösser! Unglaublich wie diese Tiere ihr Tonnengewicht bewegen können und wie leicht es aussieht, wenn sie im Wasser schwimmen.

Die Fahrt gen Norden geht weiter. Wir erreichen immer mehr Eis. Es ist ein einmaliges Erlebnis, mit dem Zodiac durch schwimmende Eisberge zu fahren. Diese Ruhe, dieses Licht – einfach unbeschreiblich. Man kann es sich kaum vorstellen, aber nach den ersten Tagen gibt es tatsächlich noch eine Steigerung:

Wir melden uns zu einer Fahrt im Kajak an. Nach einer ausführlichen Einweisung und vielen Sicherheitshinweisen dürfen wir in 2er-Kajaks zwischen Eisklötzen bis dicht an einen Gletscher heranfahren! Es ist magisch, wenn man direkt neben diesen gewaltigen Eisbergen entlanggleitet und in der absoluten Stille der Arktis, das geheimnisvolle Knacken des Eises hört. All das ist noch nicht genug: am nördlichsten Punkt unserer Reise (82° Nord) machen wir mitten im Treibeis Halt für eine Glühwein Pause. Was für ein unvergesslicher Moment!

Ab hier kehren wir allmählich wieder Richtung Süd-Spitzbergen zurück.

Die Kreuzfahrt ist tagtäglich gespickt mit unzähligen interessanten Begegnungen! Die wohl aufregendste Begegnung der Reise haben wir auf Höhe von Ny-Ålesund:

eine Eisbärenmama und zwei Babys, beide ca. ein halbes Jahr alt. Vom Schiff aus, mit guter Sicht und der entsprechenden Sicherheitsentfernung für uns und die Tiere, können wir die kleine Familie beim Schwimmen und Spielen an Land ausgiebig beobachten. Dieses Erlebnis war so schön, dass es mir schwer fällt, es in Worte zu fassen (s. Video). Sie sehen – bei all den Naturhighlights geht uns an Bord nie der Gesprächsstoff  aus!

Die Zeit scheint daher davonzufliegen und wir freuen uns bereits auf einen ganz besonderen Besuch: die Insel „Bear Island“! Entgegen dem Namen, ist die Insel für ihren einmaligen Vogelreichtum bekannt, so dass wir auf unserem Ausflug auf Papageientauchern und unzählige, einmalige Arten treffen können.

Der Wettergott ist bei dieser Reise auf unserer Seite: bei herrlichstem Sonnenschein fahren wir entlang der norwegischen Küste und können das einmalige Landschaftsbild vom Pool-Deck aus genießen. Und sogar im Geirangefjord empfängt uns Norwegen bei allerschönstem Wetter. Der Blick von oben in den Fjord kannte ich bisher nur von Katalogseiten – lassen Sie sich eines gesagt sein: es ist wunderschön!

Leider geht auch die schönste Reise einmal zu Ende – wir werden jedoch noch lange von unseren Erlebnissen zehren!

Ihr Karl-Heinz Burgdörfer.